
Wir bedanken uns bei der Redaktion der Lingener Tagespost für die Freigabe zur Veröffentlichung des Interviews auf unserer Homepage.
In der "Lingener Tagespost, vom 21.08.2010" erschien folgendes Interview mit Michael Rensing und Steffan Wessels: „Der TuS Lingen gehört mindestens in die Oberliga“.
Der MRFC zittiert nur die Antworten von Michael Rensing. Hier der Link zum Originalartikel: Neue OZ
Aus der Jugend des TuS Lingen sind mit Ihnen beiden gleich zwei Torwarte für Bayern München hervorgegangen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Verein dieses Kunststück wiederholt?
Michael Rensing: Das ist schon außergewöhnlich.
Welchen Anteil hat der TuS Lingen an Ihrer Entwicklung?
Michael Rensing: Der Verein hat mich stets unterstützt, mich teilweise zu den Maßnahmen gefahren und mich ausgestattet. Er hat mir auchdie Möglichkeit geboten, in der höchsten oder zweithöchsten Klasse zu spielen und mich mit anderen guten Mannschaften zu messen. Zudem bekam ich ein gutes Training mit der Mannschaft, meinem damaligen Trainer Gerd Lauenroth, Torwarttrainer Heinz-Walter Gösling und Patrick Foppe, mit dem ich täglich Fußball gespielt habe. Das ist die Voraussetzung, um nach oben zu kommen.
Haben Sie sich vor dem Wechsel nach München persönlich gekannt?
Michael Rensing: Wir sind uns auf dem Trainingsplatz begegnet.
Von 2000 bis 2003 waren Sie zeitgleich in München, Michael Rensing in der Jugend, Stefan Wessels bei den Senioren. Gab es dort Kontakte?
Michael Rensing: Wir haben uns mal im Bayern-Restaurant zum Essen getroffen, und wir waren mal zusammen im Biergarten. Der Terminkalender hat nicht mehr zugelassen.
Sie hatten Oliver Kahn als Nummer eins vor sich. Wie haben Sie sich im Schatten des „Titanen“ gefühlt?
Michael Rensing: Für jemanden, der die Chance bekommt zweiter Torhüter hinter Kahn in München sein, ist das eine unglaubliche Sache. Er war damals der Beste. Von ihm und Torwarttrainer Sepp Maier habe ich viel gelernt. Man wird ins kalte Wasser geworfen in der Bundesliga sowie international. So habe ich meine Erfahrungen gemacht. Bei mir war es so, dass es sich abzeichnete, dass Olli Kahn altersbedingt aufhören würde. Daher war ich in einer anderen Situation als Stefan. Das war auch eine Belastung. Ich war damals in der U-21-Nationalmannschaft, habe bei den Amateuren gespielt und Einsätze bei den Profis bekommen, die stets gut waren. Ich war ehrgeizig und wollte regelmäßig spielen. Dass ich warten musste, war hart.
Warum haben Sie das Ziel, die Nummer eins zu werden in München, nicht erreicht?
Michael Rensing: Ich habe das Ziel erreicht. Ich war ein Dreivierteljahr im Bayern-Tor. Dann ist alles sehr unglücklich zusammengekommen. Es fand ein großer Umbruch statt, wir waren in der Bundesliga nicht auf Platz eins. Dass man Gründe sucht, wenn es nicht so läuft, ist normal bei Bayern. Ich wurde sehr kritisch bewertet. Dann hat mich der ehemalige Trainer ohne Grund aus dem Tor genommen. Ich bin wieder reingekommen, aber jede Kleinigkeit wurde so bewertet, wie es wahrscheinlich noch nie bei einem Spieler auf diesem Planeten der Fall gewesen ist. Ich glaube, dass meine Leistung in der Bundesliga okay war. Ich kann mich an keinen großen Fehler außer zwei Bällen zu Beginn der letzten Saison, vielleicht an einige kleine Unsicherheiten erinnern. In der Champions League hat man mich sogar zum besten Vorrunden-Torhüter gewählt. Deswegen war das alles für mich nicht ganz nachzuvollziehen.
Was ist geblieben außer einer Reihe von Titeln auf der Visitenkarte?
Michael Rensing: Ich bin mit 16 nach München gewechselt, habe dort meine Jugend verbracht, Abitur gemacht, viele dicke Freunde kennengelernt, eine ausgezeichnete fußballerische Ausbildung bekommen und eine neue Heimat gefunden.
Was war der Höhepunkt, was der Tiefpunkt während der Zeit bei Bayern?
Michael Rensing: Höhepunkte waren die ersten knapp neun Jahre. Ich bin gleich im ersten Jahr mit der B-Jugend Deutscher Meister geworden, danach mit der A-Jugend. Ich wurde vorzeitig zu den Amateuren gezogen, bin Regionalliga-Meister geworden. Ich hatte mein Bundesligadebüt, neun Spiele in der Champions League, 53 in der Bundesliga, dazu DFB-Pokal- und UEFA-Cup-Einsätze und etliche Titel mit Bayern. Nur das letzte Jahr war sehr schwierig.
Die Bundesliga gilt wegen des Konkurrenzkampfes der Spieler als „Haifischbecken“. Trifft das besonders auf Torhüter zu?
Michael Rensing: Es gibt eben nur eine Torhüterposition. Als Feldspieler hat man es leichter, weil man vielseitig verwendbar ist oder die Position doppelt besetzt wird.
Warum ist es zurzeit für Torwarte so schwer, einen Verein zu finden?
Michael Rensing: Und es gibt nicht so viele Vereine, die einen Torhüter suchen.
Welche Perspektiven sehen Sie sportlich für sich?
Michael Rensing: Ich möchte eine neue Erfahrung machen und ins Ausland wechseln. Für mich geht es in den nächsten zwei Jahren darum, zu spielen und zu zeigen, dass ich ein sehr guter Torhüter bin. Dann muss man die Situation neu bewerten.
Welche Kontakte bestehen noch zum TuS Lingen?
Michael Rensing: In der ersten Mannschaft kenne ich die Spieler nur noch von den Namen her. Meine Freunde, die zuletzt für den TuS gespielt haben wie Patrick Foppe, sind nicht mehr da. Dennoch war ich auf dem Laufenden, was sich jetzt durch die Tätigkeit meines Bruders, der zum TuS gegangen ist, noch mal verstärkt. Ich kenne die Ergebnisse und drücke dem TuS und meinem Bruder die Daumen. Er bringt viel Erfahrung und Geschick mit. Er hat meinen Weg begleitet und dabei viel gelernt. Das kann für den TuS sehr hilfreich sein.
Könnte der TuS in Ihrer Zukunft eine Rolle spielen?
Michael Rensing: Das ist nicht auszuschließen. Wer weiß!
Was wünschen oder empfehlen Sie dem TuS zum Hundertjährigen?
Michael Rensing: Ich wünsche dem TuS, dass er dahin zurückkehrt, wo er hingehört. Und das ist zumindest die Oberliga. Das braucht die Stadt, und auch der Verein hat seine Geschichte