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Wir bedanken uns beim Alexander Boecker vom Express.de für die schnelle und unkomplizierte Freigabe zur Veröffentlichung des Interviews auf unserer Homepage. Verfasser: Markus Krücken; Quelle: Express.de
Am 23.Dezember 2011 erschien folgendes Interview mit Michael Rensing: „Wir müssen höllisch aufpassen“
Herr Rensing, ein Jahr FC! Aus der Versenkung zu einem Top-Torwart der Liga. Dementsprechend positiv müsste Ihr Fazit ausfallen, oder?
Rensing: Ja, absolut. Das komplette Jahr war gut. Wenn ich zurückblicke, wo ich vor zwölf Monaten war und wo ich heute bin, sage ich: Ich bin froh. In München lag eine schwere Zeit hinter mir. Dann kam ich nach Köln, wir standen mit 15 Punkten im Keller. Aber am Ende haben wir den Klassenerhalt geschafft, und auch mit meiner Leistung bin ich zufrieden. Mit den 21 Punkten dieser Hinrunde können wir letztendlich zufrieden sein, auch wenn es ein paar mehr hätten sein können. Die Rückrunde wird viel schwieriger. Wir müssen höllisch aufpassen!
Und Ihr privates Fazit?
Ich fühle mich pudelwohl in Köln. Ich habe schnell Freunde gefunden. Und die FC-Fans sind für uns als Mannschaft einfach toll. Für mich persönlich war die Unterstützung der Fans im letzten Jahr sogar überwältigend.
Was war Ihr persönliches Highlight in diesem Jahr?
Die Parade gegen Michael Ballack beim 2:0 über Leverkusen. Wie ich den Ball gehalten habe, weiß ich heute noch nicht. Diese Aktion war eine besondere, weil sie eine Schlüsselszene für die ganze Saison war.
Was ist Ihr Ausblick auf die Rückrunde? Man hört immer wieder leise Kritik am neuen Spielsystem und dass man sich von 21 Punkten nicht blenden lassen solle.
Durch das neue System musste ich mich im Sommer umstellen. Ich gebe zu, dass es für mich anfangs ungewohnt war, weil auch ich mein Spiel leicht verändern musste. Angesichts der vielen Verletzten konnte das neue System noch nicht in Fleisch und Blut übergehen. Aber: Auf den 21 Punkten können wir aufbauen.
Alle bangen, ob Lukas Podolski seinen Vertrag beim FC verlängert. Dabei läuft Ihrer ebenfalls 2013 aus. Wie ist der Stand bei Ihnen?
Mein Vertrag läuft erst in eineinhalb Jahren aus und aktuell besteht überhaupt kein Handlungsbedarf. Ich fühle mich hier total wohl, und mein erster Ansprechpartner ist natürlich der FC. Es geht wohl zuerst darum, die Angelegenheit mit Lukas zu klären. Natürlich hängt so eine Entscheidung davon ab, wie es hier sportlich weitergeht. Ich würde mir wünschen, dass wir konstant im oberen Mittelfeld mitspielen.
Glauben Sie, dass neue Spieler im Winter kommen? Bislang hört man nur von möglichen Abgängen.
Das kann ich nur schwer einschätzen, aber das ist ja auch nicht meine Aufgabe. Wir sollten uns aber alle darüber bewusst sein, dass die Rückrunde schwieriger wird als die Hinrunde. Und daher hoffe ich natürlich, dass wir die Qualität in unserer Mannschaft kontinuierlich steigern können.
Ist die Situation mit der letzten Saison vergleichbar?
Nein. Im Winter 2010 war die Situation prekär. Und es gab viele Nebenkriegsschauplätze beim FC.
Kann der FC eine erfolgreiche Zukunft ohne Poldi haben?
Wenn man ein gutes Konzept hat und Transfererlöse geschickt reinvestiert - ja. Grundsätzlich sollte ein Verein nicht von einzelnen Spielern abhängig sein. Dennoch glaube ich, dass Poldi nach Köln gehört.
Machen Sie Ihren Verbleib in Köln von Poldis Entscheidung abhängig?
Nein. Aber ich sage ehrlich: Ich würde mich glücklich schätzen, wenn Lukas bliebe. Er ist nicht nur ein dicker Freund von mir. Spieler dieser Klasse braucht man einfach, um nach vorn zu kommen.
Stimmt es eigentlich, dass Sie einen eigenen Fanklub haben?
Ja! Der MRFC ist eine tolle Sache. Einige der Jungs kommen sogar regelmäßig zu Heim- oder Auswärtsspielen.
Wir bedanken uns beim Karlheinz Wagner vom Kölner Stadt-Anzeiger für die schnelle und unkomplizierte Freigabe zur Veröffentlichung des Interviews auf unserer Homepage.
Im "Onlineportal des Kölner Stadt-Anzeigers, vom 12.Juli 2011" erschien folgendes Interview mit Michael Rensing:
Herr Rensing, es läuft das zweite Trainingslager der Saison. Wie ist die Arbeit mit dem neuen Trainer Ståle Solbakken?
Michael Rensing: Er legt Wert darauf, alle Übungen mit dem Ball zu machen. Ich finde das gut, die Einheiten sind mindestens so anstrengend wie reine Laufeinheiten. Er legt viel Wert auf Taktik, unterbricht die Trainingseinheiten oft und spricht Fehler an. Auf diesem praktischen Weg lernt man besser.
Der Trainer hat gesagt, für ihn gebe es nicht zehn Feldspieler und einen Torwart, sondern elf Spieler, die als Team verschieben. Ist das eine Neuerung für Sie?
Michael Rensing: Auf jeden Fall. Ich muss mein Spiel umstellen und mich an das Verschieben anpassen, damit der Abstand zur Verteidigung nicht zu groß wird. Das war in der letzten Saison anders, da wir tiefer standen. Daran arbeite ich zurzeit gezielt.
In der Vorbereitung gab es keine Waldläufe und Konditionseinheiten. Gibt es Bedenken, dass die Spieler am ersten Spieltag topfit sein werden?
Michael Rensing: Vielleicht hat der ein oder andere Bedenken, weil er es nicht kennt. Aber ich kenne es zum Beispiel von Louis van Gaal aus München. Als er gekommen ist, sind wir ins Champions-League-Finale gekommen und Meister geworden. So verkehrt kann es also nicht sein (lacht).
Wie würden Sie Solbakken beschreiben?
Michael Rensing: Er ist auf der einen Seite ein lockerer Typ. Dadurch ist die Stimmung sehr gut. Auf der anderen Seite genießt er sehr viel Autorität, und jeder zieht voll mit.
Sie sind in Köln von den Fans zum Spieler der Saison gewählt worden.
Michael Rensing: Das hat mich sehr gefreut. Vor allem nach meiner Vorgeschichte und dem schwierigen halben Jahr davor. Das hätte ich mir vorher nur erträumt. Ich bin sehr stolz darauf, dass es so gut gelaufen ist. Mein Ziel ist es, in der neuen Saison wieder der große Rückhalt zu sein.
Sie haben das halbe Jahr angesprochen. Nach Ihrem Aufstieg als Nachfolger von Oliver Kahn bei Bayern München waren Sie plötzlich arbeitslos und mussten sich mit einem Privattrainer fithalten.
Michael Rensing: Das konnte ich mir auch nicht erklären. Das war hart, aber ich habe alles dafür getan, dass ich schnellstmöglich wieder Anschluss finde. Den habe ich zum Glück in Köln gefunden. Dass es dann nach all den Monaten so schnell so gut lief, hat mich sehr gefreut.
Hatten Sie in dieser Phase Angst, nie mehr in der Bundesliga zu spielen?
Michael Rensing: Das muss man ja haben, wenn man keinen Verein mehr hat. Man muss sich ja mit der Situation auseinandersetzen.
Ihre Mutter ist in Serbien geboren, wäre es eine Alternative für Serbien zu spielen statt für Deutschland?
Michael Rensing: Nein, das ist überhaupt keine Option.
Der ehemalige serbische Nationaltrainer Antic hat vor der WM 2010 gesagt, er würde Sie nominieren, wenn Interesse da wäre.
Michael Rensing: Warum weiß ich da nichts von? (lacht). Sie haben eine gute Mannschaft. Das ist amüsant, aber überhaupt kein Thema.
Die Kapitänsfrage ist noch nicht entschieden. Wie wäre es mit Ihnen?
Michael Rensing: Das entscheidet der Trainer ganz alleine, denn er weiß, wie das Standing in der Mannschaft ist wer in der Lage ist, die Binde zu tragen. Er wird die richtige Entscheidung treffen.
Was denken Sie über die Verpflichtung von Sascha Riether?
Michael Rensing: Ich finde es super, dass er gekommen ist. Ich kenne ihn von der U-21-Nationalmannschaft. Durch ihn haben wir an Qualität gewonnen. Auch als Typ haben wir einen Volltreffer gelandet. Der Verein hat den richtigen Weg eingeschlagen.
Braucht der FC weitere Verstärkungen?
Michael Rensing: Wir haben ein gutes Grundgerüst. Die Mannschaft ist wirklich in Ordnung, sie hat Qualität, und ich glaube, dass wir eine gute Halbserie spielen können. Alles weitere muss man dann sehen.
Vor einigen Monaten haben Sie Missstände im Verein angeprangert. Hat sich etwas verändert?
Michael Rensing: Es ist einiges passiert. Es wurden neue Strukturen geschaffen. Der Trainerstab und Physiotherapeut Klaus Maierstein wurden geholt. Ich denke, dass ein sehr gutes Team zusammengestellt wurde.
Wie haben Sie den Rücktritt von Frank Schaefer erlebt, der Sie wieder ins Tor stellte?
Michael Rensing: Ich hab ihn sehr geschätzt, er hat mir im Winter die Möglichkeit gegeben, zurückzukommen. Ich rechne ihm hoch an, dass er gemerkt hat, dass etwas passieren muss. Er hat sehr viel geleistet und eine großen Anteil am Klassenerhalt.
Was hat Volker Finke danach in der kurzen Zeit bewirkt?
Michael Rensing: Er ist ja schon lange im Geschäft und sehr erfahren. Er war hautnah dabei und hat gesehen, wo die Probleme waren und hat ein bisschen Lockerheit reingebracht und ein paar taktische Dinge erklärt. Einige Spieler haben sich auch wieder mehr reingehängt. Beide Trainer haben alles richtig gemacht.
Das Gespräch führte Michael Krämer